Ein Angebot der Evotec GmbH, Arnsberg

Entzinkung: was im Werkstoff passiert

Messing besteht aus Kupfer und Zink. Bei der Entzinkung löst sich das Zink in bestimmten Medien aus dem Gefüge heraus, und es bleibt ein poröses, rötliches Kupfergerüst zurück. Von außen wirkt das Teil zunächst unverändert, die Form bleibt erhalten. Innen ist es dagegen weich und durchlässig geworden: Es verliert Festigkeit und kann undicht werden, obwohl es äußerlich noch heil aussieht.

Kritisch sind vor allem Wässer mit bestimmten Eigenschaften, etwa weiches, kohlensäurehaltiges oder stark chloridhaltiges Wasser, besonders wenn es steht oder warm ist. Man unterscheidet zwei Erscheinungsformen: die Schichtentzinkung, die als gleichmäßige Zone von der Oberfläche in die Wand wandert, und die Pfropfenentzinkung, die an einzelnen Stellen tief eindringt. Ob ein Medium kritisch ist, hängt von Zusammensetzung, Temperatur und Strömung ab; eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht.

Typische Anzeichen sind kupferrote Flecken auf der Oberfläche und weißliche Ablagerungen. Sicher festgestellt wird der Schaden aber am Schliff, nicht am Aussehen.

Verringern lässt sich das Risiko über die Sorte: Es gibt Messing mit niedrigem Zinkanteil und Sorten, die gezielt entzinkungsbeständig eingestellt sind. Welche zu Ihrem Medium passt, gehört in die Anfrage und nicht in die Vermutung. Bei Teilen für Trinkwasser kommt eine Anforderung an die Zusammensetzung hinzu, auch an den Bleigehalt. Wir geben dazu keine Konformitätsaussage ab, sondern klären vor Auftragsbeginn, welche Nachweise gebraucht werden.

Grundlage: allgemeine Werkstoffkunde zu Entzinkung und Spannungsrisskorrosion; keine Kennwerte, keine Sortenzusage.

Schema der Entzinkung im Querschnitt Zwei Querschnitte nebeneinander. Links ein Messingquerschnitt, in dem Zink und Kupfer gleichmäßig verteilt sind. Rechts derselbe Querschnitt nach der Entzinkung: Unter dem Medium liegt eine poröse Schicht aus Kupfer, aus der das Zink herausgelöst wurde; darunter ist das Gefüge unverändert. Frei gezeichnetes Schema. Vorher: Messing Medium, zum Beispiel Wasser Zink und Kupfer gleichmäßig Nachher: entzinkt Medium, zum Beispiel Wasser oben: poröse Kupferschicht Kupfer Zink Pore nach dem Herauslösen des Zinks
Schemaskizze der Entzinkung im Querschnitt, frei gezeichnet.
Schema der Spannungsrisskorrosion Ein Flachstab aus Messing steht unter Zugspannung, dargestellt durch zwei Pfeile nach außen. Über der Oberfläche liegt ein Medium. Von der Oberfläche gehen mehrere Risse ins Bauteil. Ohne Zugspannung oder ohne das Medium entstehen die Risse nicht. Frei gezeichnetes Schema. Zugspannung und Medium wirken zusammen Zug Zug Medium, zum Beispiel ammoniakhaltige Luft Risse gehen von der Oberfläche ins Bauteil Ohne Zugspannung im Bauteil oder ohne das Medium bleibt der Riss aus.
Schemaskizze der Spannungsrisskorrosion, frei gezeichnet.

Spannungsrisskorrosion: Zugspannung und Medium

Spannungsrisskorrosion braucht zwei Dinge zugleich: Zugspannung im Bauteil und ein Medium, auf das der Werkstoff empfindlich reagiert. Fehlt eines von beiden, entsteht kein Riss. Bei Messing ist das klassische Medium Ammoniak, auch in geringer Konzentration in Luft oder in Reinigungsmitteln. Die Risse beginnen an der Oberfläche und wachsen ins Bauteil. Sichtbar wird der Schaden oft spät, dann bricht das Teil, ohne sich vorher verformt zu haben.

Die Zugspannung muss nicht von außen kommen. Eigenspannungen aus der Umformung, aus Pressverbindungen oder aus dem Anziehen von Verschraubungen genügen. Deshalb fällt der Schaden häufig an Teilen auf, die lange ohne Beanstandung eingebaut waren, sobald ein neues Reinigungsmittel oder eine andere Umgebung dazukommt.

Als Gegenmaßnahmen kommen eine Konstruktion mit geringerer Zugspannung, ein spannungsarmer Zustand, etwa durch Spannungsarmglühen, und eine weniger empfindliche Sorte infrage. Das sind Hinweise aus der Werkstoffkunde, keine Verfahrenszusagen. Was in Ihrem Fall nötig ist, klärt die Anfrage mit den Angaben zu Medium und Einbaulage.

Für Konstrukteure gilt: Ein Teil kann bei der Montage spannungsfrei sein und später durch Setzen der Verbindung oder durch Temperaturwechsel Zugspannung aufbauen. Fragen Sie deshalb nach der Lage im Betrieb, nicht nur im Neuzustand.

Grundlage: allgemeine Werkstoffkunde zu Entzinkung und Spannungsrisskorrosion; keine Kennwerte, keine Sortenzusage.

Kontaktkorrosion bei Paarungen

Berühren sich zwei verschiedene Metalle und liegt zwischen ihnen ein feuchter Film, entsteht ein kleines galvanisches Element. Das unedlere Metall löst sich dann schneller auf, als es allein täte, das edlere wird geschont. Messing neben Aluminium ist ein bekanntes Beispiel: Es leidet das Aluminium, nicht das Messing. Neben Stahl gilt dasselbe für den Stahl.

Besonders gefährdet ist ein kleines unedles Teil neben einer großen edlen Fläche, weil sich der Angriff auf eine kleine Stelle konzentriert. Trockene Paarungen sind unkritisch, entscheidend ist die Feuchtigkeit. Nennen Sie deshalb die Werkstoffe der Gegenstücke und die Einbaulage in der Zeichnung oder in der Anfrage.

Auf der Konstruktionsseite helfen eine isolierende Zwischenlage, eine abgedichtete Fuge und das Vermeiden von stehender Nässe.

Schema der Kontaktkorrosion Zwei Metallblöcke berühren sich, über ihnen liegt ein feuchter Film. Das unedlere Metall links wird an der Kontaktstelle angegriffen, dargestellt durch kleine Poren; das edlere Metall rechts bleibt unverändert. Frei gezeichnetes Schema. Zwei Metalle im feuchten Kontakt unedleres Metall edleres Metall feuchter Film oder Kondensat Hier greift die Korrosion zuerst an Kontaktfläche
Schemaskizze der Kontaktkorrosion, frei gezeichnet.

Was Sie in der Anfrage zur Korrosion nennen

Je genauer Medium und Einbau beschrieben sind, desto besser lässt sich eine Sorte zuordnen. Schreiben Sie das Medium mit Konzentration, die Temperatur, ob es steht oder strömt, die Einbaulage und die Werkstoffe der Gegenstücke auf. Gibt es eine Anforderung für Trinkwasser oder Lebensmittel, nennen Sie auch sie. Erwarten Sie mehrere Medien, etwa Betriebsmedium und Reinigungsmittel, nennen Sie beide: Das Reinigungsmittel ist als zweites Medium oft der Auslöser.

Die Sorte selbst bezeichnen Sie mit Kurzzeichen und Nummer. Als Normverweis für Kupferlegierungen in Stangenform, die spanend verarbeitet werden, dient DIN EN 12164. Welche Nachweise nötig sind, legen wir vor Auftragsbeginn mit Ihnen fest. Das Ergebnis des Werkstoff-Checks lässt sich in die Anfrage übernehmen.

  • Medium mit Konzentration und Temperatur
  • stehend oder strömend, Einbaulage
  • Werkstoffe der Gegenstücke
  • Zugspannung im Bauteil, falls bekannt
  • Sorte mit Kurzzeichen und Nummer
  • Anforderung für Trinkwasser oder Lebensmittel

Häufige Fragen

Bei bestimmten Medien löst sich das Zink aus dem Messing und hinterlässt ein poröses Kupfergefüge. Passende Sorten und Angaben zum Medium senken das Risiko.

Durch Zugspannung im Bauteil in Verbindung mit bestimmten Medien. Spannungen im Teil und das Medium gehören deshalb in die Betrachtung der Anfrage.

Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026

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Nehmen Sie das Ergebnis des Werkstoff-Checks mit, dazu Zeichnung und Modell. Fehlt eine Angabe zum Einsatz, melden wir uns vor dem Angebot mit Rückfragen.

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